Trauer braucht ihre Zeit – eine Trauergeschichte

 

IMG_3673

 

Frau Schneck ist gut gelaunt, es ist Sommer, das Wetter ist schön und in der letzten Zeit gab es viele schöne Unternehmungen.
Aber, je besser die Laune umso trauriger wird sie:
Ein wunderschöner Urlaub in Cornwall, ein schöner Abend in Schloss Benrath, ein Abend auf einem Mäuerchen sitzend, die Wärme der Sonne auf der Haut oder einfach leben zu dürfen – aber, alles ohne Herrn Schneck.

 

 

 

IMG_3678 Es sind 19 Monate ohne Herrn Schneck und es fühlt sich immer noch genauso an, findet Frau Schneck. Li-Nuri schüttelt den Kopf über so viel Ungeduld: „Trauer kann man nicht wegjagen, Frau Schneck. Sie nimmt sich ihre Zeit, da kannst Du Dich auf den Kopf stellen! Aber manche Dinge sind doch auch schon besser geworden! Was steht jetzt im Wohnzimmer?“ „Endlich ein Bild von Herrn Schneck!“ antwortet Frau Schneck sofort. „Wie hast Du Dich gegrämt, dass Du das Bild von Herrn Schneck abdecken musstest, weil Du nur in Tränen ausgebrochen bist, wenn Du es gesehen hast? Habe ich Dir nicht gesagt, irgendwann geht es?“ Frau Schneck nickt. „Siehst Du, Du kannst ruhig mal auf mich hören!“

 

IMG_3689

 

„Und die vielen schönen Erlebnisse, könnten sie Dir nicht vielleicht auch von Herrn Schneck gesendet werden?“ fragt Li-Nuri. Frau Schneck brummelt. „Aber ich bin dann immer so traurig, weil ich es so gerne mit Herrn Schneck erlebt hätte und dann wird mir bewusst, was ihm genommen worden ist!“ „Pustekuchen! Herr Schneck ist in deinem Herzen und damit dabei! Du erlebst für Euch beide! Und wer sagt Dir, dass Herr Schneck nicht auch schöne Dinge erlebt?“ „Hoffentlich,“ schnieft Frau Schneck. „Frau Schneck, Trauer tut weh, niemand will sie haben! Es gibt kein: will ich nicht! Nimm sie und lass sie bei Dir weilen, sie ist der Ausdruck deiner Liebe für Herrn Schneck!“