Erinnerungen – eine Trauergeschichte

IMG_1417Frau Schneck ist im LeidensModus, salopp von Frau Schneck ausgedrückt.
Vor einem Jahr brach ihre Welt zusammen. Die letzten wenigen Tage im Leben von Herrn Schneck beginnen. 5 Tage zwischen Diagnose, der Aussage, die Krankheit ist heilbar, bis zu seinem überraschenden Sterben. Angst, Hoffnung, Unfassbarkeit, Ohnmacht, Trauer. Wenige Tage mit einer Gefühlsintensität, die Frau Schneck nicht kannte.

Frau Schneck weiß genau, was vor einem Jahr in diesen Tagen geschah, Stunde für Stunde, das Wetter, die Menschen, alles alles ist präsent als ob es gestern geschehen sei. Heute vor einem Jahr, war dies und war jenes. Sie schaut im Moment ständig auf Herrn Schnecks Armbanduhr, die sie seit einigen Monaten trägt, die Erinnerung bringt die ganze Gefühlswelt zurück und Frau Schneck hat das Gefühl, dass sie intensiver, heftiger ist, als vor einem Jahr. Als sie die Tage erlebte, kannte sie die Zukunft noch nicht, und hätte sich nie diese Finalität vorstellen können, undenkbar.

IMG_1419Li-Nuri hopst auf Frau Schnecks Schoß. „Ich mag die Erinnerungen nicht, ich möchte nur die schönen Erinnerungen von Herrn Schneck haben!“ klagt Frau Schneck. „Geht nicht,“ kommt es nüchtern von Li-Nuri. „Erinnerungen kommen aus unserem autobiographischen Gedächtnis, dort sind sie verankert. Sie prägen Dich und auch diese Erinnerungen sind wichtig für Dich – für deine Persönlichkeit und deine Entwicklung. Deine vielen wunderschönen Erinnerungen an deinen geliebten Herrn Schneck haben dich bereits geprägt und bestimmen in allem dein Handeln.“
IMG_1425Frau Schneck hört aufmerksam zu und krault den grünen Schopf von Li-Nuri. „Du lebst die Erinnerung immer wieder durch, sie werden immer weiter gerafft und verdichten sich, dadurch wird die Gefühlswelt für Dich heftiger als vor einem Jahr. Ihr Menschen seit Meister im Miterleben und Nacherleben.“ Frau Schneck denkt nach. „Ja…,“ räumt sie ein. „Manchmal kann ich gar nicht in der Trauergruppe mitlesen oder zuhören, weil ich alles miterlebe und mein eigenes Erlebnis nacherlebe!“
IMG_1426„Erinnerung ist Wandel und die Erinnerung wird sich im Laufe deines Lebens für dich ändern. Schau mal,“ sagt Li-Nuri, der sich ankuschelt. „Ich habe dich als einen Mensch kennen gelernt, der nicht mit dem Schicksal hadert und nach vorne schaut. Für dich ist wichtig so zu handeln, wie du meinst, dass Herr Schneck es sich wünschen würde oder aber auch wie du es dir von Herrn Schneck wünschen würdest, wenn du dein Leben verloren hättest. Betrachte die Erinnerungen nicht als Museum, sondern nimm sie und entwickle aus diesen Erfahrungen dein Handeln.“ „Hm,“ kommt es skeptisch von Frau Schneck. „Ich habe im letzten Jahr viel gelernt und auch wunderbare Dinge erlebt. Ich habe das Geschenk Leben noch mehr verinnerlicht als durch meine eigene Unpässlichkeit. Und wie wichtig es ist, nicht so viel aufzuschieben, im Rahmen meiner Möglichkeiten zu handeln – auch für andere oder gerade für andere!“

IMG_1429Li-Nuri nickt zufrieden. Ach, jetzt hört sie sich schon wieder besser an. Ja, es ist eine furchtbar schwierige und schmerzliche Zeit, aber er und ganz viele Freunde sind für Frau Schneck da. Und auch wenn sie es nicht richtig wahrnimmt, die Saat aus ihrem für sie schlimmsten Erlebnis, das sie sich für sich vorstellen kann, ist gelegt und er ist überzeugt, dass sie diesen Weg gehen wird. Die Zukunft in die Frau Schneck schaut, wird es zeigen. Und so, wie Frau Schneck es an der roten fröhlichen Urne von Herrn Schneck versprochen hat, geht sie nach vorne, auch wenn man manchmal stupsen muss.

Alles Käse

 

20161216_161220Gespannt verfolgen die Jungs das Auspacken des Adventskalenders im Hause Schneck. Und jeden Tag die gleiche Enttäuschung: Wieder kein Käse für ihren Freund Fietje.

 

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Doch nun sind sie es leid und entscheiden sich endlich zu handeln.

 

 

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Doch leider gibt die Käsedose von Oberon nicht viel her.

 

 

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Dann werden sie jetzt Käse einkaufen. Es ist verdammt kalt geworden und die Jungs legen ihre Schals an. Wo ist eigentlich ihr Rucksack? Ob der vom letzten Urlaub noch bei Frau Schneck ist? Tja, dann müssen sie wohl die alberne Handtasche mitnehmen.

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Ui, ist das eine riesige Auswahl. Die Jungs sind geplättet. Geduldig werden sie von der freundlichen Dame an der Käsetheke beraten.

 

 

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Schließlich wählen sie zwei Sorten aus…

 

 

 

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…und von Dingelstedt übernimmt die schwierige Aufgabe an der Kasse zu zahlen.

 

 

 

 

20161216_164820Zu Hause wird der Käse zunächst einmal in kleine Stücke geschnitten…

 

 

 

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…und zu je drei Stückchen (Heinrich und Hans sollen ja nicht zu kurz kommen) in Klarsichtfolie verpackt.

 

 

 

 

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Dann müssen die Würfelchen noch in Geschenkpapier verpackt werden. Die Jungs sind entrüstet: Titania hat noch nicht einmal Weihnachtspapier im Haus. Aber selbst ist der Neumann. Mit bunten Stiften wird das langweilige Packpapier aufgehübscht.

 

 

 

 

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Rilke packt das Papier um den Käse.

 

 

 

 

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Und von Dingelstedt versieht die kleinen Päckchen mit hübschen Schleifen.

 

 

 

 

 

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Voller Stolz betrachten sie ihr Werk.

 

 

 

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Tja, leider können die Jungs bei Schnecks nicht wie der Weihnachtsmann durch den Kamin kommen. Da sie ihren Freund Fietje überraschen wollen, bleibt ihnen nichts anderes übrig als sich mit Frau Schneck zu verabreden. Damit Fiejte auch wirklich gar nichts mitbekommt, legt Frau Schneck den Jungs den Schlüssel unter die Fußmatte.

Leise schleichen sich die Jungs ins Wohnzimmer und verstecken ihre kleinen Päckchen

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Frau Schneck liegt derweil grinsend in ihrem Bett. Da werden die Mäuse aber morgen Augen machen. Denn die Jungs waren nicht die einzigen, die die Sache mit dem fehlenden Käse leid waren und entscheiden haben endlich zu handeln. Auch Frau Heide war im Käsegeschäft.

 

 

 

img_0666Als Frau Schneck am nächsten Tag von der Arbeit kommt, da erwarten sie drei ungeduldige Mäuse. Die feinen Näschen haben wohl schon etwas gewittert. Frau Schneck hat gerade noch Zeit ihre Mantel und Hut abzulegen, da wird sie gleich zum Adventskalender gezerrt.

 

 

 

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Aufgeregt wühlen die drei in dem großen Paket. „Ich hab´s!“ rufen Fietje und Heinrich gleichzeitig und zerren beide ein Päckchen zutage.

 

 

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Ungeduldig wird die Verpackung entfernt und siehe da: Käse! Oh, Frau Schneck schau mal hier, wie nett, drei kleine Käsestücke. Für jeden eins! Vergnügt schauen die Mäuse drein.

 

 

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Dann wird das zweite Paket ausgepackt.

Und die drei Mäuse jubeln begeistert. Frau Schneck, Frau Schneck, schau nur: richtiger Käse. So wie es ihn in Holland im Laden gibt. Nur in Mäusegröße!

Mh, dürfen wir jetzt schon die kleinen Käsestücke naschen? Und den ganzen Mäusekäse, den heben wir uns für´s Abendbrot auf!

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Während dessen verstaut Frau Schneck den restlichen Käse im Kühlschrank. Sie schüttelt sich bei dem Gedanken, an ungekühlten Käse, der eine Woche und länger in ihrem Wohnzimmer lagert.

 

 

 

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Nachdem nun ihre Mäuse glücklich sind, schüttet Frau Schneck sich einen Tee in ihren neuen Igel-Lieblingstasse auf und dann suchen die Schnecks gemeinsam nach dem Päckchen für den heutigen Tag.

Ein Geschenk für Herrmann

imageErinnert ihr euch an Hermann? Der kleine Baum-Steinie, der sich bei Fietje seine erste eigene Hose gefilzt hat?
Damals hat Hermann zum ersten Mal gemerkt, dass er Spaß am Handarbeiten hat. Und so kam er zu Frau Birgit in die Quilt-Schule. Hermann hat sich zu einem unentbehrlichen Helfer entwickelt. Vor allem in den Kursen für Kinder kommt seine geduldige Art gut an. Frau Birgit wüsste gar nicht mehr, wie sie ohne ihren Hermann zurechtkommen sollte. Aber in der letzten Zeit hat Hermann zu viel gearbeitet. Frau Birgit möchte, dass er etwas mehr entspannt. Außerdem möchte sie ihm gerne eine Freude bereiten. Sie überlegt und überlegt, aber es fällt ihr einfach nichts Passendes ein.

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Also fragt Frau Birgit bei Fietje, DEM Filzi-Experten nach. Fietje, der sich natürlich noch gut an seinen alten Freund Hermann erinnern kann, setzt sich in sein Gärtchen zu seinen Grasigelfreunden und überlegt:
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Sprunggelenk und Krötenfuß
von Frau Birgit einen Gruß.
Krötenfuß und Sprunggelenk
sie sucht für Hermann ein Geschenk.

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Es soll wärmen, es soll stützen,
Soll das ganze Jahr ihm nützen.
Es soll wispern, es soll tuscheln
Soll sich lieb an Hermann kuscheln.
Gib ihm Augen, gib ihm Mund
tut es seine Meinung kund.
Gib ihm lauter weiche Locken,
sollen Hermanns Mähne toppen.
Mäusedreck und Schneckenschleim
wann kommt Elvira endlich heim?

 

imageSchneckenschleim und Mäusedreck
wenn man sie braucht, dann ist sie weg!
Sprunggelenk und Schneckenschleim
mach ich die Arbeit halt allein
Schneckenschleim und Sprunggelenk
für Freund Hermann ein Geschenk.

imageAls Frau Schneck von der Arbeit nach Hause kommt findet sie von Fietje einen Zettel.
„Bin schon mal zu Herrn Bruno unterwegs. Gib Gas, du musst mir walken helfen.“
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Abends kommen beide erschöpft nach Hause. Das Geschenk für Hermann ist fertig, aber noch nicht ganz trocken. Und es erfüllt alle Anforderungen aus Fietjes „Zauberspruch“: es wärmt und stützt, wispert, tuschelt, kuschelt, hat ganz tolle Locken und ist schon mächtig gespannt auf Hermann.
„Nun braucht es nur noch…“ Frau Schneck kann ihren Gedanken nicht zu Ende führen, da klingelt schon das Telefon.

 

image„Mia!“ orakelt Titania in den Hörer, noch bevor Frau Schneck sich gemeldet hat. „Mia?“ fragt Frau Schneck. „Naja, eigentlich heißt sie ja Maria, aber sie wird Mia genannt. Sie stammt aus einer Familie, die schon seit dem 17. Jahrhundert bedeutende Künstler und Gelehrte hervorbrachte. Wartet es nur ab, sie wird die ideale Begleiterin für Hermann sein.“

 

 

 

 

Die Trauer lauert – eine Trauergeschichte

20160831_195045Der Tag beginnt wie jeder andere seit Herr Schneck nicht mehr da ist mit der stillen und ruhigen Trauer.

Neben Frau Schneck sitzt Johann, der Bär. Johann sitzt auf dem Bett von Frau Schneck, denn Frau Schneck mochte nicht in das leere Bett von Herrn Schneck schauen und schläft im Bett von Herrn Schneck.

Frau Schneck ist traurig und berührt den Ehering von Herrn Schneck, den nun sie an einer Kette trägt.
imageEs ist komisch, alles geht weiter. Für viele ist das Schicksal von Herrn Schneck sehr weit weg, denn er ist schließlich seit 7 Monaten nicht mehr da. Muss da nicht alles wieder normal sein und seinen Gang gehen? Und kann man nach so langer Zeit nicht erwarten, dass Frau Schneck wieder normal funktioniert?

Für Frau Schneck sind es erst 7 Monate und alles ist noch so schmerzhaft und frisch. Manchmal geht es, aber plötzlich aus heiterem Himmel – oder besser aus wolkenverhangenem dunklem Himmel, geht es gar nicht.

imageFrau Schneck ist in der Stadt, sie möchte eine Kiltnadel und dunkelrote kaufen, außerdem ist die Beschichtung ihrer Bratpfanne defekt und sie braucht endlich ein neues Abseihsieb, außerdem hat das Kaufhaus immer so schöne Haarspangen, da könnte sie ja mal schauen…

Frau Schneck mag Einkaufen gar nicht, deswegen geht sie immer in ein großes Kaufhaus und macht dort immer alles. Zum Schluss geht sie in ihre Belohnungsabteilung, ob sie etwas benötigt oder nicht, aber da gibt es so schöne Sachen. Die Kurzwarenabteilung mit Stoffen, Perlen, Knöpfen, Stickgarnen, Wolle und alles Mögliche, was man nicht braucht, aber doch dringend braucht.

imageFrau Schneck betritt das Kaufhaus und plötzlich, egal wo ihr Blick hingeht, aus Nebel kommen Gedanken und Erinnerungen an Herrn Schneck. Wie oft waren die beiden Einkaufsmuffel dort… Dunkle Wolken hüllen sie ein. Die geschäftige Betriebsamkeit des Kaufhauses tritt zurück. Eine dunkle Trauer kommt auf sie zu.

Mit ausgefahrenen Krallen und Zähnen wird sie angefallen, die Trauer beißt sich fest, schmerzt, Tränen treibt sie in die Augen und sie lässt sich nicht abschütteln. Frau Schneck geht zu den Haarspangen, geht weg. Zu den Bratpfannen, geht weg. Zu den Spitzenstoffen und verlässt endlich das Kaufhaus ohne ihre Einkäufe getätigt zu haben. Kiltnadeln, Bratpfannen und Spitzenstoffe machen plötzlich keinen Sinn mehr ohne Herrn Schneck. Wozu braucht sie es? Alles Quatsch.

imageSie ist froh als sie endlich zu Hause ist, die Trauer hängt immer noch an ihr und treibt ihr schmerzhaftes Spiel mit ihr.

Sie weiß mittlerweile, dass zu der stillen nie verschwindenden Trauer um Herrn Schneck diese kommt, sie quält, sie schmerzt, sie nimmt ihrem Leben den Sinn, alles ist unendlich schwer, das Leben türmt sich in einem nicht zu erklimmenden Gebirge auf…

imageFrau Schneck weiß aber auch, dass diese Trauer sich irgendwann verbraucht, ermüdet und erschöpft von ihr ablässt und sie in ihre stille und ruhige Trauer zurückkehrt. Sie wird sie nicht mehr verlassen, es gilt sie auszuhalten. Sie wird ihr aber irgendwann nicht mehr so oft auflauern, sagen die anderen Trauerweiden jedenfalls, aber diese Trauer bleibt auch.

Li-Nuri und Fietje sind zu Hause sofort zur Stelle, Frau Schneck hört auf die beiden und sucht sich mit den beiden eine schöne Ablenkung. Heute sind es ihre Buntstifte… und ein Hörbuch. Während sie malt, lächelt sie plötzlich und denkt: Herr Schneck ist diese Trauer wert, ist schon in Ordnung so. Ich schaffe das.

 

Toddy

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Name: Toddy

Geboren am: 28.08.2016

Ort: Düsseldorf

Beruf: Bonbonfabrikant

 

 

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Toddy ist ein erfolgreicher Bonbonfabrikant, seine erfolgreichste Kreation sind die Zitronendrops. Oh, diese Gänsehaut, wenn man sie in den Mund steckt, das lustige prickeln auf der Zunge…

 

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Egal, wie erfolgreich er ist, er ist bodenständig geblieben und läuft noch wie in seinen Anfängen als er die Zitronendropsmasse noch selber angerührt, umgefüllt und jedes Drops einzeln liebevoll verpackt hat. Eine Fliege trug er auch schon immer, er ist schließlich ein Gentleman, auch wenn er hart arbeitet.

Aber mittlerweile ist die Arbeit etwas zurückgetreten, denn es gibt viel wichtigere Dinge im Leben, z.B. seine süße und liebreizende Tochter, die er Candy genannt hat.

Auch seine gute Freundin Frau Susanne. Mit der Super-Fotografin reist er durch die Welt. Und Gentleman, wie er nun mal einer ist,

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hat er einen großen Rucksack auf, in dem er neben Zitronendrops die vielen Objektive, Stative …. trägt.

 

 

 

 

Schneckenkoch

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Der berühmte Schneckenkoch Jean-Jacques will seine köstlichen Kreationen künftig im Venedig des Ostens präsentieren: Er ist zu Fräulein Pia gezogen und beäugt kritisch sein neues Restaurant.

 

Bei einem Tässchen Espresso macht er sich erst einmal mit der Küche vertraut.

 

 

 

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Ja, ist in Ordnung. Voller Tatendrang will er sich gleich an die Zubereitung einer seiner Spezialitäten machen – Spitzschnecke in Weißweinsud…

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Fräulein Pia ist empört: „Echte Schnecken? Ja weißt Du denn nicht, dass ich keine Tiere esse? Wenn Schnecken, dann vegetarisch!“

 

 

 

09_image5Jean-Jacques ist entsetzt.

 

 

 

 

 

 

11_image6Da hat er sich ja auf etwas eingelassen! Was in Paul-Bocuse-Namen sind denn vegetarische Schnecken?

Fräulein Pia hilft ihrem neuen Chefkoch: „Pass mal gut auf! Erst einmal brauchen wir Mehl, Hefe, Zucker, Milch, Butter und ein Ei.“

Skeptisch schaut Jean-Jacques in die Schüssel. Das sieht nicht sehr appetitlich aus…

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Fix verknetet Fräulein Pia alles zu einem glatten Teig und läuft mit der Schüssel davon:  „Der Teig braucht jetzt eine Pause und darf unter die Bettdecke und wir können uns auch ausruhen.“

Eine Stunde später holen die beiden den Teig wieder hervor – jetzt sieht er schon ein bisschen besser aus.

 

 

15_image8Ausrollen…

 

 

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Mit Butter bestreichen…

 

 

19_image10Bestreuen…

 

 

 

 

21_image11Artig befolgt Jean-Jacques alle Anweisungen, die er von Fräulein Pia bekommt. Fertig aufgerollt kann er dann auch schon etwas „schneckiges“ erahnen…

 

 

 

23_image12In Scheiben schneiden…

 

 

 

 

25_image13… und ab damit in eine Auflaufform!

 

 

 

27_image14Fertig gebacken und mit Guß versehen!  Triple-Jean würde zwar lieber echte Schnecken verarbeiten, aber lecker sehen die vegetarischen Schnecken ja doch aus. Ob es auffällt, wenn er eine stibitzt? Fräulein Pia schreit: „Finger weg! Das ist das Geburtstagsfrühstück für meinen Papa!“

Vom Wegwerfen – eine Trauergeschichte

06_20160726_173709_resizedFietje rafft seine Sachen, sein Fietje-der-allerallerälteste-Seemannsmantel, sein Winterjäckchen und seine Seemannskiste. Schiebt alles panisch außer Reichweite von Frau Schneck.
Fietje kreischt: „Li-Nuri! Einsatz!“
Li-Nuri liegt entspannt in Frau Schnecks Schaffellen und döst. Jetzt nicht mehr, denn sein mittlerweile sehr guter Freund Fietje ruft und Li-Nuri weiß, Frau Schneck braucht Unterstützung.
Oh, ha! In Frau Schnecks Arbeitszimmer (andere nennen es Werkstatt oder Atelier) türmen sich blaue volle Mülltüten und die große Filzarbeitsplatte, die ihr Herrn Schneck letzten Sommer mit Ablauf gebaut hat, ist mit allerlei Kram voll.
 
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Frau Schneck beginnt sofort: „Ich weiß nicht, warum ich das mache, aber ich meine, dass ich alles wegwerfen muss!“ Dabei blickt sie ihre großen Wollkisten mit Filzwolle an, dann setzt sie hinzu: „Keine Sorge, nix von Herrn Schneck, da bleibt alles, aber auch alles. Ich werfe nur meine Sachen weg!“
„Langsam! Und jetzt kochst Du uns einen Tee, wir setzen uns und überlegen, was das soll und ob das gut ist!“
 
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Frau Schneck hört auf Li-Nuri, denn sie weiß, dass Li-Nuri sehr schlau und besonnen ist. Li-Nuri weiß auch immer den Grund, warum Menschen handeln wie sie handeln. Das hilft ihr, ihre Trauer und ihre Handlungen im Moment zu verstehen. Sie mag Li-Nuri deswegen sehr, denn er ist auch wie Herr Schneck, der konnte ihr das auch immer erklären und dann waren für Frau Schneck viele Dinger einfacher im Leben zu verstehen.
Deswegen unterbricht sie ihre Arbeit und kocht Tee.
 
09_20160604_123801_resized„Warum wirft man Dinge weg, Frau Schneck!“ fragt er die super leckeren Bodensee-Himbeer-Gummibärchen kauend, die kommen nur zu besonderen Anlässen auf den Tisch. „Hm, um Überflüssiges los zu werden, Ordnung und Platz zu machen!“
„Richtig!“ kommt es mampfend. „Schluck erst mal!“ grinst Frau Schneck und beobachtet Li-Nuri, der sich lieber noch ein Gummibärchen rein schieben würde. „Ich schmeiße die Gummibärchen nicht weg. Ich lasse sie gleich noch ein wenig auf dem Tisch stehen. Versprochen!“ Derweil kommt Fietje und packt für den Notfall lieber ein paar in seine Seemannskiste.
 
07_20160604_124325_resized„Du weißt, dass sich dein Leben komplett ändert und in deinem Bereich wirfst Du mit dieser Handlung unbewußt Ballast ab, du schaffst Ordnung und Raum für neue Dinge. Eigentlich ist das eine symbolische Handlung für das, was kommt. Egal wie tief Deine Trauer ist um Herrn Schneck und egal wie lange sie dauert, Du gibst einem neuen Leben eine Chance, Du schaffst Raum. Während Du Herrn Schnecks Sachen lässt, wo und wie sie sind, gibst Du ihm 100% Raum in deinem Leben.“
 
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Frau Schneck nickt, ja, das versteht sie. „Wieso,“ fragt sie, „mag ich mein Lieblingshobby im Moment nicht und würde gerne die Wolle wegwerfen? Ich habe das Gefühl, die Wolle war ein anderes Leben und ist so weit von mir weg. Ich bekomme im Moment keinen Zugang.“
„Das macht nichts, die Wolle bleibt aber jetzt erst mal wo sie ist, klar?“ Frau Schneck nickt. „Bitte keine unüberlegten Entscheidungen. Akzeptier, dass es jetzt nicht die Zeit für Wolle ist. Du warst in einem sehr intensiven Arbeits- und Planungsprozess für Ausstellungen, da ihr im März auf die Creativa wolltet und und und, als der plötzliche Tod kam. Da war viel Aufregung und Vorfreude, plötzlich geht alles auf null. Nichts ist mehr wichtig. Ich denke, das ist ein Ausdruck Deines Entsetzten, Deiner Fassungslosigkeit und Trauer geblieben. Aber warte mal, vielleicht kommt die Wolle wieder zurück und vielleicht hörst Du dann auf zu zeichnen, weil Du das mit Deiner Trauerphase verbindest.“ Frau Schneck ist nämlich stundenlang am Zeichnen.
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Frau Schneck nimmt sich selber ein paar Gummibärchen. „Ich mache die Tür zu, zeichne und warte eins zwei Tage ab!“ Li-Nuri nickt, das ist ein guter Kompromiss.

Zwei Tage später entscheidet Frau Schneck, alles was aussortiert ist, bleibt aussortiert, aber die Wolle bleibt, schließlich gab es eine Zeit in ihrem Leben, da hat ihr die Wolle so viel Freude bereitet und überhaupt, wenn sie nicht filzen würde, gäbe es kein Fietje und Li-Nuri.

 

Paradekissen – Kissenparade

06_20160806_130722_resizedMit geübter Hand werden die drei Kissen noch einmal aufgeschüttelt und umsortiert. „So, jetzt bitte alle noch einmal lächeln!“ Klick, klick, klick.
Endlich ist das Fotoshooting vorbei und man hört drei erleichterte Seufzer. Frau Schneck zieht zufrieden ab. Sie hatte noch jede Menge Felle übrig und hat das schöne Wetter genutzt, um bei Herrn Bruno auf der Terrasse daraus Kissen zu machen. Wundert es irgendjemanden, dass diese Kissen Augen haben? Wundert es irgendjemanden, dass diese Kissen nun leise anfangen miteinander zu tuscheln?

 
18_20160806_121010_resizedPüh, wenn ich nur noch eine Minute länger hätte lächeln müssen, dann hätte ich meine Tetanusimpfung auffrischen lassen müssen, bekommt man ja Starrkrampf, von der Dauergrinserei. He, Frau Schneck, ruft das zottelige Etwas. Du hast vergessen mir die alberne gelbe Schleife abzunehmen!

 

07_20160806_130319_resizedAber die ist doch total süß. Ich wünsche ich hätte auch so eine tolle Schleife bekommen. Frau Schneck wollte mir keine dran machen. Sei nicht nötig. Ph! Ich sage euch, ich gehe nur zu jemanden, der mir eine Schleife dran macht. Ich möchte aussehen wir ein richtig schönes Paradekissen! Der weiße Wuschel schließt betrübt die Augen.
Nicht dein Ernst, oder? Paradekissen??? Reicht das nicht, dass wir gerade eine Viertelstunde Kissenparade hatten? Der Zottelige ist entsetzt.

 

 

03_20160806_131031_resizedNe, das wär auch nicht meins, mischt sich nun das Gelockte mit den langen Ohren ein. Als Paradekissen müsste man sich ja immer gut benehmen. Wohlmöglich müsste man noch kuscheln!
Der Zottelige schüttelt sich. Ich warte jetzt nur noch darauf, dass mir Titania meinen Namen gibt und dann nix wie weg. Am liebsten in den Wald. Aber auf jeden Fall nach draußen. Vielleicht auf einen Schaukelstuhl im Garten? Oder einen gemütlichen Sessel auf einem Balkon? Schließlich bin ich ein Waldschrat und brauche Luft.

 

 

01_20160806_145812_resizedUnd wenn man dort draußen vergessen wird? Dann wird man nachher nass und schmutzig. Entsetzt reißt das Weiße die Augen auf.

 

 

 

15_20160806_121513_resizedImmer noch besser, als irgendwo auf einem Sofa zu sitzen und immerzu zu kuscheln, wendet das Gelockte ein. Ich stamme direkt von den Eisenwalder Langohrschafen ab. Langohrschafe werden in Aventurien von Zwergen gehalten. Ich liebe Spannung und Abenteuer.

 

17_20160806_121317_resizedIch könnte mir vorstellen mit einem Wohnmobil um die Welt zu reisen. Oder ich würde bei einer Leseratte wohnen,
die mir Bücher vorliest. Geschichten voller Spannung und Abenteuer? Alleine bei dem Gedanken bekommt das Weiße Gänsehaut.
Das geht natürlich nicht, ätzt der Zottelige. Dann wird man nachher nass und schmutzig, wenn man sich ins Hemd macht!
Munter kommt Frau Schneck aus ihrem Büro.

 

 

 

 

01_20160731_101241_resizedSo, es gibt Nachrichten von Titania. Knisternde Spannung! Mit großen Augen schauen die Kissen Frau Schneck an und diese liest von ihrem Zettel vor: Sillow.
Klasse, ruft der Zottelige, von Silver-Pillow, silbernes Kissen. Passt perfekt zu meinem Heidschnuckenfell.

 

09_20160806_130217_resizedOder es bedeutet Silly-Pillow, dummes Kissen, meldet sich mutig das Weiße, das Sillow noch eine Antwort schuldig war und streckt ihm schnell die Zunge raus.
Fragend schaut Frau Schneck ihre Kissen an. Hat es da etwa Unstimmigkeiten gegeben? Sie schüttelt den Kopf, nimmt ihren Zettel auf und liest weiter: Lise

 

 

 

 

04_20160730_113029_resizedOh, das bin ich, kommt es freudig aus den Locken. Nach Lise Cristiani, die im 19. Jahrhundert mit ihrem Violoncello bis nach Kamtschatka reiste. Violoncello, alleine das war zum damaligen Zeitpunkt ein Skandal und dann auch noch Kamtschatka… Ich weiß alles über diese Abenteuerinnen, über Gudrídur Thorbjarnardóttir, Jeanne Baret, Grace O’Malley,…

14_20160806_125641_resizedBevor du uns jetzt noch mehr mit deinen Abenteuern langweilst, würde ich auch ganz gerne meinen Namen erfahren, meldet sich das weiße Wuschelige zu Wort.Hast du Titania von meinem wunderbaren weißen Fell erzählt und dass ich gern auf ein gemütliches Sofa möchte. Und im Gegensatz zu anderen Kissen hier habe ich nichts gegen Kuscheln. Allerdings nicht mit irgendwelchen Kindern mit schokoladenbeschmierten Fingern. Und ich möchte gerne eine Haarschleife …

02_20160731_101221_resizedKannst meine haben, brummt Sillow. Ein strafender Blick von Frau Schneck bringt ihn zum Schweigen.
Ja, wendet sie sich an das Weiße, das weiß Titania doch alles. Und sie hat einen schönen Namen für dich ausgesucht: Bianca
Freudig wackelt Bianca mit den Ohren.
16_20160806_121422_resizedFrau Schneck will gerade die Türe zu ihrem Arbeitszimmer hinter sich schließen, da hört sie:
Und wenn du noch einmal so frech zu mir bist, dann melde ich dich zum Flying-Pillow-Day an. Kannst du mal Fotos von googeln, dann weißt du was anschließend von dir übrig ist.
Schau an, denkt Frau Schneck, Bianca, sieht so kuschelig, weiß und unschuldig aus, hat es aber faustdick hinter den Ohren.

6 Monate

04_20160723_153427_resizedDie Jungs sitzen bei einem Obsttellerchen zusammen. Rilke seufzt. Ach, die arme Frau Schneck, die hat heute bestimmt einen besonders schweren Tag.

Aber, wendet Neumann ein, warum sollte heute

Rilke unterbricht ihn mit einem neuerlichen Seufzer und schaut bedeutungsschwanger auf den Kalender. Betretenes Schweigen. Allgemeines Seufzen.

Vielleicht sollten wir Frau Schneck eine Freude machen, schlägt vD vor. Auja, ein Geschenk, fällt Neumann begeistert ein. Naja, mein Rilke, das wird verdammt schwer. Worüber wird Frau Schneck sich wohl freuen?

03_20160723_153611_resizedÜber ein Geschenk von uns bestimmt, meint Neumann hoffnungsfroh. Sie braucht jetzt Beschäftigung, antwortet vD. Tja, am liebsten malt sie ja derzeit. Portraitiert um genau zu sein.

Dann, schenken wir ihr einen Auftrag ein Portrait zu malen, kommt es praktisch von Neumann.

02_20160723_153800_resizedNaja, mein Rilke, eine neue Liebe…

Ach, vergiss es, wendet vD ein. Das ist doch viel zu früh. Außerdem wo sollen wir denn für Frau Schneck eine neue Liebe auftreiben??? Wieder dieser bedeutungsschwangere Blick von Rilke. Diesmal Richtung Neumann. vD prustet los. Neumann????

01_20160723_154023_resizedNeumann wird rot und schaut verlegen weg.

Doch, doch, ich spüre da was, meint Rilke. Hast du es denn nicht auch gemerkt? Neumann hier und Neumann da. Neumann fährt mit nach Leipzig. Neumann soll mit in Urlaub und als Titania es verbaselt , da heißt es dann: Neumann, wir vermissen dich.  Hast du schon mal gehört: Rilke, ich vermisse dich??? vD ich vermisse dich??? Aber Neumann, der wird vermisst. Das heißt doch was!

IIMG-20160723-WA0007mmer noch kichernd und auch etwas ungläubig hat vD dann DIE Idee. Ok, wir geben ein Portrait in Auftrag, ein Portrait von Neumann. Da werden die beiden einige Zeit miteinander verbringen und dann werden wir ja merken ob… Sie soll sogar ein Portrait von Neumann auf dem Handy haben…

Genau, mein Neumann, der das mit dem Merken jetzt nicht so genau verstanden hat, Frau Schneck soll mich malen. Super Idee und dann bekommt sie ein Geschenk von uns. Wir schenken ihr einfach das Bild, das sie von mir gemalt hat!!

Bedeutungsschwanger zwinkert Rilke vD zu. Dann geh ich mal unsere Spardose knacken.

Jugendchat

Abk1

Fietje sitzt vergnügt in Holland auf dem Balkon und schreibt seinem guten Freund Neumann eine Nachricht.

Plötzlich steht Fräulein Pia hinter ihm und kichert. „Wie uncool! So lange Nachrichten! Das sind ja ganze Sätze!“

Fietje guckt empört. Wo bleibt denn da das Briefgeheimnis? Uncool? Er ist doch der Coolste überhaupt. Er ist ein Digital Native!

Fräulein Pia schüttelt den Kopf. „Nee, Fietje, was soll denn da Neumann denken!“

 

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“ Ich erkläre Dir das mal:

1. Regel: keine ganzen Sätze

2. Regel: möglichst viele Abkürzungen

3. Regel: Unmengen von Smileys

4. Regel: jedes mögliche Wort sollte englisch sein

 

IMG-20160713-WA00335. Regel: Konversation sollte sinnlos sein

6. Regel: Stellt man dir eine Frage, antworte mit einem Wort!

Eine gutes Beispiel für eine Konversation wäre:

Frage: Wmds? (für Digital Immigrants: Was machst Du so?)

Antwort: Zocken

Und nicht mehr!“ ermahnt Fräulein Pia.

IMG-20160713-WA0034„Außerdem,“ erklärt Fräulein Pia, „ist das eine Herausforderung! Drei Chats gleichzeitig! Und ein Chat in zwei Wochen mit 3600 Threads! Da muss man schon fix sein!“

Also schreiben die beiden die Nachricht um:

Hey Neumann,  in Holland, ohne Dich. Mies. Wetter mega ätzend. Übelst sandig. Chillen gleich am Beach. Frau Schneck hat mega viel Cheese gekauft, ist fies, nicht für mich. Wmds? F.

Fietje schüttelt sein Köpfchen. Nein, das ist nichts für ihn. Aus seinem Leben gibt es schließlich immer so viel zu berichten und das dann in diese Anrülpslaute umändern, nein!

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Er findet Fräulein Pia zwar cool und super toll, aber auch ganze Sätze, Sprache ist doch so etwas Schönes und ist denn eine Nachricht von ihm ein Ratespiel? Fietje schüttelt den Kopf und sendet seinem lieben Freund Neumann eine uncoole Volltextnachricht.

Apropos Ratespiel, er hat eine Aufgabe zu lösen bekommen von Fräulein Pia. Eine Standardabkürzung:

TDHUDGAS